UniteOS

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wechange wird zehn Jahre alt. Viel hat sich verändert, nicht alles, wie wir es wollten

Am 25. Februar 2016 gründeten fünf Menschen eine Genossenschaft mit einer einfachen Überzeugung: die vielen Menschen, die die sozial-ökologische Transformation vorantreiben, brauchen einen souveränen digitalen Raum für die Vernetzung und Zusammenarbeit.

Zehn Jahre später sieht die Welt anders aus. Krieg, KI, Tech-Oligarchen, die Erosion demokratischer Institutionen. Klimawandel und soziale Gerechtigkeit sind zu Nebenthemen geworden. Was heute die Agenda bestimmt, hat mit dem, wofür wechange ursprünglich stand, wenig zu tun. Man könnte fragen: Ist wechange.de ein Anachronismus?

Wir glauben das Gegenteil. Gerade weil digitale Infrastruktur heute so stark in den Händen weniger Konzerne liegt und antidemokratische Tendenzen um sich greifen, braucht es wechange heute mehr denn je. Deshalb haben wir viel vor.


Wir sind heute drei Dinge gleichzeitig

wechange.de ist die Community-Plattform für den sozial-ökologischen Wandel. 84.000 Menschen haben sich dort seit 2016 vernetzt: Initiativen, Projekte, Bewegungen. Ein digitaler Ort, der funktioniert, weil er seinen Mitgliedern gehört.

wechange eG ist die Genossenschaft dahinter. Gewinne fließen zurück in die Plattform. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Das steht in der Satzung.

UniteOS ist die Whitelabel-Plattform, mit der wir unsere Technologie anderen Organisationen zur Verfügung stellen. Kommunen, Stiftungen, NGOs, die eine eigene Community-Plattform mit europäischen Servern und ohne Pro-Kopf-Lizenzkosten betreiben wollen, finden hier eine ausgereifte Lösung. Rund 20 Organisationen nutzen sie heute, darunter die KielRegion, die Heinrich-Böll-Stiftung und Scientists for Future.

Das alles folgte keinem Masterplan. Es ist gewachsen und der Weg zu dem, was wir heute sind, war nicht immer geradlinig und manchmal steinig. Vor einiger Zeit waren wir kurz davor, aus finanziellen Gründen schließen zu müssen. Aber ein tolles Team, tolle Kund:innen und engagierte Genoss:innen haben dafür gesorgt, dass wir heute besser dastehen denn je. Dabei hat uns auch der Zufall geholfen. Und dem wollen wir in Zukunft nicht mehr allzu viel überlassen.


Drei Baustellen, die uns die nächsten zwölf Monate beschäftigen werden

wechange.de finanziell selbsttragend machen. Die Plattform läuft seit zehn Jahren, überwiegend querfinanziert durch UniteOS-Erlöse und solidarische Beiträge. Das trägt auf Dauer nicht. Deswegen suchen wir jetzt eine Person, die sich hauptamtlich um wechange.de kümmert: Community, Weiterentwicklung, und die Frage, wie sich die Plattform langfristig selbst trägt. 40 Bewerbungen sind eingegangen. Die Stelle startet am 1. April. Ob wechange.de danach eine eigene Trägerstruktur bekommt, ob es neue Erlösmodelle braucht: das entscheiden wir Schritt für Schritt.

Unsere White-Label-Plattform als eigenständiges B2B-Produkt etablieren. Unsere White-Label-Lösung heißt neuerdings UniteOS. wechange.de und UniteOS folgen unterschiedlichen Logiken. Die Community-Plattform lebt von Engagement, Offenheit, Bewegung. Das B2B-Produkt braucht Verlässlichkeit, Struktur, Skalierbarkeit und Kunden, die bereit sind, dafür zu zahlen. Lange haben wir beides unter einem Dach getragen, ohne die Unterschiede auszusprechen. Das ändern wir gerade. UniteOS hat eine eigene Marke bekommen: eigenes Marketing, eigene Referenzen, eine eigene Stimme.

Die Genossenschaft als Klammer halten. Ob wechange.de, wechange eG und UniteOS langfristig unter einem Dach bleiben oder unterschiedliche Strukturen brauchen, ist eine offene Frage. Intern gibt es dazu unterschiedliche Ideen. Die genossenschaftliche Grundüberzeugung bleibt: Digitale Infrastruktur sollte den Menschen gehören, die sie nutzen. Alles andere verhandeln wir.


Die eigentliche Frage

Dahinter stecken Fragen, auf die wir gerade keine abschließenden Antworten haben. Kann eine Genossenschaft, die aus der Technik kommt, eine lebendige Community wirklich betreiben oder braucht das fundamental andere Fähigkeiten? Wollen wir eine Plattform für sozial-ökologische Transformation sein oder entwickeln wir uns zu einer Software-Agentur, die souveräne Infrastruktur baut? Braucht es überhaupt in zehn Jahren noch Software?

Und vor allem: Kann eine kleine Genossenschaft ohne Investoren und ohne missbräuchliche Monetarisierungsstrategien digitale Infrastruktur bauen, die gegen Microsoft, Google und Co. besteht? Nicht durch Größe, sondern durch Überzeugung?

Wir wissen es nicht. Aber wir finden es heraus.

 

Wer die Entwicklung verfolgen möchte: Im Newsletter und hier im Blog halten wir euch auf dem Laufenden.