Wie die Plattform MokWi Verwaltung, Ehrenamt und Zivilgesellschaft verbindet.
Wenn sich in Plön Klimaschutzmanager:innen, Ehrenamtliche und Verwaltungsmitarbeitende digital treffen, dann meist auf MokWi. Dort werden Projekte geplant, Dokumente geteilt und Ideen vernetzt – alles datenschutzkonform, offen und gemeinschaftlich.
Was als Nebenprojekt im Regionalmanagement mit dem Fokus auf Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsprojekte begann, ist heute die digitale Plattform für zivilgesellschaftliches Engagement in der KielRegion. Kim Strupp, Prokuristin bei der KielRegion GmbH, erzählt, wie aus einer Idee eine Plattform wurde – und warum die Zukunft manchmal an Lesebrillen scheitert.
wechange:
Wie ist die Idee zu MokWi entstanden?
Kim Strupp:
MokWi geht zurück auf ein Projekt der beiden Kreise – Rendsburg-Eckernförde und Plön – und der Landeshauptstadt Kiel. Zusammen ist das die KielRegion. Ich arbeite für die Gesellschaft, die die Kooperation dieser drei Partner bündelt.
Damals haben mehrere Klimaschutzmanager:innen aus der Region gesagt: Wir bräuchten eigentlich eine Plattform, auf der sich alle, die sich im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit engagieren, auch digital treffen, austauschen und Projekte organisieren können. Gleichzeitig hatte die Verwaltung ein großes Problem: Sie durfte wegen Datenschutz kaum digitale Tools nutzen, geschweige denn gemeinsam mit Ehrenamtlichen arbeiten oder Dokumente teilen.
wechange:
Und bis heute läuft das über euch als KielRegion?
Kim Strupp:
Wie übernehmen einen koordinierende Rolle. Wir haben die Plattform gemeinsam mit den Klimaschutzmanager:innen der Region aufgebaut, und die Steuerungsgruppe besteht bis heute aus ihnen. Auch wenn dort heute viele Projekte stattfinden, bei denen der Klimaschutz nicht im Vordergrund steht sondern z.B. Bildung oder soziale Teilhabe.
Wir koordinieren, hosten und sind Schnittstelle zu euch. Personal haben wir keines extra dafür, wir machen das mit Bestandspersonal aus dem Regionalmanagement. Die Weiterentwicklung finanzieren wir über Fördermittel aus dem Regionalbudget; die Eigenanteile tragen Kreise und Stadt gemeinsam.
wechange:
Und wie ist das Governance-Modell? Also: Wer entscheidet was?
Kim Strupp:
Wir treffen uns alle paar Wochen in der Steuerungsgruppe, berichten über Neuigkeiten und entscheiden gemeinsam über Weiterentwicklungen oder Fördermittel. Vieles läuft pragmatisch – wir stimmen uns ab, wenn’s um Budgets oder neue Features geht.
wechange:
Wie stark steuert ihr die Aktivitäten auf der Plattform?
Kim Strupp:
MokWi funktioniert weitgehend selbstorganisiert. Jede:r darf Projekte starten – es geht ja um Ehrenamt. Wir greifen nur ein, wenn jemand Werbung macht oder Spam postet. Wir stellen regelmäßig Veranstaltungen und Förderinfos ein, aber grundsätzlich lebt MokWi aus der Community heraus.
wechange:
Was wären damals Alternativen gewesen, wenn ihr WECHANGE nicht genommen hättet?
Kim Strupp:
Damals gab es ehrlich gesagt kaum Alternativen. Heute würden wir wahrscheinlich auf Tools wie die Smart Village App oder DorfFunk schauen – die sind aber thematisch anders, eher für Information und Nachrichten. Es gibt auch Verwaltungsplattformen wie die Heidi-App, aber das sind keine Community-Tools.
Bei uns ging’s ja darum, Verwaltung, Ehrenamt und Zivilgesellschaft in einem digitalen Raum zusammenzubringen – das konnte sonst niemand.
wechange:
Wie wichtig ist „Community Building“ aus kommunaler Sicht?
Kim Strupp:
Für die Kommunen ist das Thema gleichzeitig wichtig und schwierig: Wichtig, weil zivilgesellschaftliches Engagement entscheidend ist und man damit Akteure vernetzen kann.
Schwierig, weil es Geld kostet – und kleine Kommunen haben oft keine Mittel und kein Personal, um sowas dauerhaft zu tragen. Unsere Struktur mit Fördermitteln hilft da natürlich. Aber kleinere Kommunen organisieren sich häufig über WhatsApp oder Google Docs, bis irgendwann der Datenschutz zum Problem wird.
wechange:
Wie lief der Rollout von MokWi?
Kim Strupp:
Der Rollout läuft im Grunde bis heute (lacht). Es kommen stetig neue Leute dazu. Spannend ist, dass neue Anfragen inzwischen oft aus formelleren Kontexten kommen – zum Beispiel von Schulverbänden oder politischen Gremien. Manche nutzen MokWi inzwischen sogar als eine Art Ratsinformationssystem-Ersatz, weil es Datenschutz-konform und kostenfrei ist.
wechange:
Wer aus der Verwaltung ist typischerweise aktiv?
Kim Strupp:
Ursprünglich vor allem Klimaschutzmanager:innen, aber thematisch haben wir uns sehr vebreitert. Heute ist MokWi für Menschen aus Beteiligungsstellen, Digitalisierungsmanager:innen, Fachbereiche wie Tiefbau, Schulwesen oder Ehrenamt interessant. Immer dort, wo man Öffentlichkeit und Austausch will. Wir haben hier intern inzwischen auch einen Kollegen, der ein Wasserstoffnetzwerk aufbaut, also ein Akteursnetzwerk. Der macht das komplett über MokWi. Oder Schulen schaffen damit digitale Räume.
wechange:
Welche Features werden am häufigsten genutzt?
Kim Strupp:
Am meisten genutzt werden Cloud und Dokumentenablage. Die Leute speichern Dokumente, arbeiten gemeinsam daran – gerade in Vereinen oder Initiativen. Das zeigt, dass die Plattform wirklich als Arbeitsumgebung verstanden wird, nicht nur als Schaukasten.
wechange:
Wenn dich andere Kommunen anrufen – wie empfiehlst du ihnen WECHANGE bzw. MokWi?
Kim Strupp:
Die größten Pluspunkte sind:
kein technischer Aufwand auf Verwaltungsseite
schnelle Reaktionszeiten und stabiler Support
DSGVO-Konformität
Modularität (man kann selbst wählen, welche Funktionen man will)
und: Open Source.
Gerade letzteres ist im Smart-City-Kontext zentral, weil Open Source bei Fördermitteln verpflichtend ist. WECHANGE war das schon von Anfang an – das macht euch sehr glaubwürdig.
Außerdem: Die Plattform läuft auch, wenn mal niemand aktiv mitarbeitet – aber man kann sie aktiv mitgestalten. Das ist wichtig für Verwaltungen, die oft wenig Kapazität haben.
wechange:
Und wenn eine Bürgermeister:in fragt: „Warum überhaupt dieses Tool – was bringt mir das?“
Kim Strupp:
Die Plattform bietet drei Kernvorteile für eine Kommune:
Sie bekommen ein Trend-Radar. Als Verwaltung sehen Sie plötzlich, wer sich bei Ihnen engagiert und vor allem wo und zu welchem Thema. Wenn auf einmal zehn Gruppen zu „Solargenossenschaften“ aufpoppen, wissen Sie: ‚Okay, da ist Musik drin, da müssen wir mal hinschauen.‘ Das ist ein unschätzbarer Vorteil, um Trends frühzeitig zu erkennen und gezielt Verwaltungsressourcen anzubieten.
Es ist gelebte Wertschätzung. Wir wollen alle, dass sich die Zivilgesellschaft engagiert. Mit so einer Plattform gibt die Kommune den Vereinen und Ehrenamtlichen eine kostenlose, sichere digitales Arbeitplattform. Das ist ein starkes Signal der Anerkennung, und die Kosten dafür sind im Vergleich zum Nutzen verschwindend gering.
Es ist das sichere „Tor nach draußen“. Das ist der wichtigste Punkt: Die IT einer Kommune ist ja meist ein Hochsicherheitstrakt, hermetisch abgeriegelt. Sie können keine Externen in Ihre Cloud lassen. Was bleibt, ist der umständliche E-Mail-Verteiler, wenn Sie mit Initiativen arbeiten wollen. Diese Plattform ist der sichere Raum außerhalb Ihrer Kern-IT, in dem Ihre Mitarbeitenden (wie die „KlimacherInnen“ in Kiel) endlich professionell und DSGVO-konform mit Externen Dokumente teilen und Termine machen können.
wechange:
Und wohin entwickelt sich MokWi perspektivisch?
Kim Strupp:
Gerade spannend ist das Thema Beteiligungsökosystem. Wir arbeiten mit Lübeck, Bamberg und Hildesheim daran, verschiedene Beteiligungstools zu verknüpfen – also Adhocracy+, Dipas und MokWi. Auf der MokWi-Karte sieht man z. B. schon Beteiligungen aus Adhocracy+ und Dipas.
wechange:
Wie sind die Rückmeldungen der Bürger:innen?
Kim Strupp:
Überwiegend positiv. Viele, die wir z.B. für unsere Videos interviewt haben, nutzen die Plattform wirklich aktiv und sind begeistert. Und wir merken das auch im Alltag: Die Leute, die bei uns anrufen oder kommentieren, tun das meistens, weil sie total interessiert sind und vom Tool schwärmen.
Was schwierig bleibt: den großen Funktionsumfang in Schulungen zu vermitteln. Wir haben immer sowohl technisch affine Leute, die sofort tief eintauchen wollen, als auch die – wahre Geschichte – die ihre Lesebrille vergessen haben und sich deshalb schon mit der Schriftgröße auf der Plattform schwer tun.