Auf der Smart Country Convention (SCCON) wird über die digitale Zukunft der Kommunen gesprochen – und mittendrin: Felix, Product Owner bei WECHANGE. Gemeinsam mit der Stadt Kiel zeigt er auf der Bühne, wie Kommunen Ehrenamt und Engagement digital stärken können. Wir haben vorab nachgefragt, was hinter der WECHANGE-Plattform steckt.
WECHANGE: Felix, du bist ja gerade ziemlich gut ausgelastet – Bühne auf der SCCON, Projekte in mehreren Städten… Wie viele sind es denn mittlerweile? Und wie kam es eigentlich dazu, dass so viele Kommunen unsere WECHANGE-Plattform nutzen?
Felix: Puh, gute Frage – ich müsste nachzählen! lacht Es sind auf jeden Fall deutlich mehr geworden, als wir ursprünglich geplant hatten. Das hat tatsächlich mit unserer eigenen Geschichte zu tun. Wir haben ja mit wechange.de angefangen, als Plattform für Initiativen und Vereine. Die ist ziemlich organisch gewachsen – heute nutzen sie Zehntausende Menschen.
Als dann das Smart-City-Förderprogramm kam, standen viele Kommunen plötzlich vor der Frage: Wie bringen wir Ehrenamt und Bürgerbeteiligung digital zusammen? Da lag es nahe, unsere bewährte Plattform auch für Städte und Regionen einzusetzen. So wurde aus einem Werkzeug der Zivilgesellschaft Schritt für Schritt auch eine Infrastruktur für Kommunen.
WECHANGE: Viele denken bei digitalen Angeboten für Kommunen sofort an E-Partizipation oder Verwaltungsportale. Wie unterscheidet sich unsere Plattform davon?
Felix: Das ist ein wichtiger Punkt. E-Partizipation und Verwaltungsportale sind für bestimmte Aufgaben ideal – etwa wenn es um formale Beteiligungsverfahren oder digitale Verwaltungsakte geht. Unsere Plattform setzt an einer ganz anderen Stelle an: Sie macht das gesellschaftliche Leben in einer Kommune sichtbar und vernetzt. Hier geht es um Vereine, Initiativen, Nachbarschaften und bürgerschaftliches Engagement. Damit ergänzen wir die Verwaltungsangebote um eine soziale und offene Dimension, die bisher oft gefehlt hat. So entsteht ein vollständigeres Bild davon, was eine digitale Kommune ausmacht.
WECHANGE: Wie können Kommunen mit der WECHANGE-Plattform Ehrenamt digital fördern – was verändert sich konkret im Alltag?
Felix: Für Ehrenamtliche entsteht ein zentraler digitaler Raum, in dem ihre Arbeit sichtbar wird und neue Mitstreiter:innen leicht dazu stoßen können. Sie finden Informationen gebündelt an einem Ort, sparen sich mühsame Abstimmungen über verschiedene Kanäle und gewinnen mehr Zeit für das, was wirklich zählt: ihr Engagement. Gleichzeitig wächst das Gefühl, Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein – das motiviert und stärkt die Zusammenarbeit.
WECHANGE: Open Source und genossenschaftliche Organisation – klingt nach Buzzword-Bingo. Warum ist das für Kommunen tatsächlich relevant?
Felix: lacht Ja, das klingt erstmal nach Tech-Sprech. Aber es hat handfeste Vorteile: Open Source ist inzwischen in vielen Förderprogrammen nicht nur erwünscht, sondern gefordert. Kommunen erfüllen diese Kriterien automatisch. Plus: Der Code ist offen einsehbar – keine Black Box.
Und das Genossenschaftliche? Das bedeutet konkret: Wir gehören niemandem, der uns morgen verkaufen könnte. Und ein weiterer Vorteil: Wenn eine Kommune eine neue Funktion mit uns entwickelt, profitieren anschließend alle. Weiterentwicklungen fließen in die gesamte Plattform zurück – das spart Kosten und stärkt die Gemeinschaft.
WECHANGE: Viele Kommunen fragen sich bei neuen digitalen Angeboten zuerst: Was kostet das eigentlich? Was bedeutet euer Festpreis-Modell in der Praxis?
Felix: Ganz einfach: Ob eine Kommune 50 oder 5.000 Ehrenamtliche einlädt – der Preis bleibt gleich. Keine bösen Überraschungen, keine komplizierten Berechnungen. Gerade im öffentlichen Sektor ist Transparenz bei den Ausgaben entscheidend – und genau das bietet unser Modell.
WECHANGE: Klimaneutrales Hosting für Kommunen – nice to have oder wichtig?
Felix: Für uns definitiv wichtig! Viele von uns kommen aus der Klimabewegung. Wir wollen nicht nur digitalisieren, sondern das gleich nachhaltig machen. Die Server stehen in Deutschland, die Daten bleiben sicher im Land, und Kommunen können nebenbei noch etwas fürs Klima tun. Win-win.
WECHANGE: Wie ist es eigentlich, in einer Genossenschaft zu arbeiten?
Felix: Ehrlich? Ziemlich großartig. Wir haben ein Entwicklerteam hier vor Ort, das sich richtig mit der Sache identifiziert. Wenn mal etwas klemmt, sprechen die Kommunen direkt mit den Menschen, die die Plattform gebaut haben – ohne Umwege. Und es macht einfach Spaß, gemeinsam an etwas zu arbeiten, das nicht irgendeinem Investor gehört, sondern uns allen zusammen. Diese Kultur merkt man auch im Produkt.
WECHANGE: Der Mitwirk-O-Mat ist ja dein persönliches Baby. Wie kam die Idee?
Felix: Der Mitwirk-O-Mat ist tatsächlich ein Herzensprojekt von mir. Die Idee war, das Prinzip des Wahl-O-Maten auf das Ehrenamt zu übertragen: Menschen beantworten ein paar Fragen und bekommen dann passende Initiativen oder Vereine vorgeschlagen. Damit senken wir die Hürde, ins Engagement einzusteigen, enorm. Aktuell wird das Tool schon in mehreren Städten eingesetzt, und das Feedback ist sehr positiv. Mittlerweile läuft das in mehreren Städten, und das Feedback ist richtig gut. Aber es gibt mittlerweile auch andere tolle Angebote wie die Engagement-Plattform der Aktion Mensch.
WECHANGE: Du bist begeisterter Brettspieler. Welches Spiel würdest du Menschen empfehlen, die in Kommunen arbeiten?
Felix: Da fällt mir sofort Pandemic ein. Das ist ein kooperatives Spiel, in dem alle gemeinsam gegen eine globale Herausforderung antreten. Man gewinnt nur, wenn man gut zusammenarbeitet, Wissen teilt und die Stärken der einzelnen Figuren klug nutzt. Das passt ziemlich gut zu kommunalem Engagement: Niemand kann die großen Aufgaben allein lösen, aber gemeinsam kann man erstaunlich viel bewegen. Plus: Es macht Spaß, auch wenn die Welt untergeht. lacht